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Alles auf Englisch: "Da wird man echt nervÖs!"

Sieben Düsseldorfer Schüler wurden drei Tage lang zu amerikanischen UN-Mitgliedern.


"Kinder an die Macht", forderte schon Herbert Grönemeyer.
Eine Zukunftsvision, die auf der diesjährigen "Model United Nations Conference (Modell der Vereinten Nationen Konferenz) in Berlin Wirklichkeit wurde. Spielerisch jedenfalls. Unter dem Thema "Flüchtlinge und Migranten: Menschliche Gesichter hinter einem globalen Problem" trafen sich 500 Schüler aus aller Welt in der John F. Kennedy Schule und schlüpften für drei Tage in die Rolle von UN-Delegierten. Und auch dieses Jahr saßen sieben Schüler des Comenius-Gymnasiums aus Oberkassel in den Rängen und debattieren in sieben verschiedenen Komitees über Politik, Umwelt, Menschenrechte, Sicherheit, Wirtschaft und Soziales, Flüchtlings- und Militärpolitik. Für die Schüler eine spannende Sache. "Es ist schon aufregend, mit Leuten aus aller Welt über Flüchtlinge und ihre Probleme zu diskutieren", so Menschenrechtsvertreterin Elisabeth Skolik. "Und dann muss man auch noch eine Rede vor 320 ,Abgeordneten' halten. Auf Englisch! Da wird man echt nervös", sagt sie. Allerdings hat die Erfahrung einen Knackpunkt: Die Schüler zwischen 15 und 19 müssen ein anderes Land als ihr eigenes vertreten. Und die Comeniustruppe traf es diesmal besonders hart: Sie mutierten zur USA. Im Hinblick auf die momentane politische Lage eine echte Herausforderung. "Wir sind von fast allen Ländern angegriffen worden", erzählt der 15-jährige Sven vom Politik-Komitee "Vor allem der ,Irak' hat uns attackiert. Nur die ,Israelis', die waren nett." Ob Politik, Umwelt oder Menschenrechte, die Liste der potenziellen Angriffspunkte schien endlos. Lieblingsthema Nummer eins: Der Irak-Konflikt. Wäre es eine Menschenrechtsverletzung, wenn die USA Krieg führen würden? Inwieweit werden andere Länder in die Krise mit einbezogen? Brennpunkt Nummer zwei: Das von den USA abgelehnte Kyoto-Abkommen. Doch zu den Verbalattacken kam ein weiteres Problem: Fast alle der "US-Delegierten" standen ihrem adoptierten Heimatland vor allem außenpolitisch kritisch gegenüber. "Da war es schwer, sachlich zu argumentieren", erklärt Sven, "aber wir waren gut und die einzigen, die wirklich im Sinne der USA diskutiert haben". Denn bei vielen Teilnehmern, so Lehrerin Ingrid Hartmann-Scheer, kamen persönliche Ansichten mit ins Spiel. "Und das", betont sie, "ist nicht Sinn der Konferenz. Die Schüler sollen die Haltung anderer Länder annehmen um diese besser kennen zu lernen und zu verstehen. Es muss das Land, und nicht die persönliche Meinung, vertreten werden!" Doch trotz aller Schwierigkeiten freuen sich die Schüler schon auf die Konferenz im Jahr 2003, bei der sie auf jeden Fall wieder mitmachen. Und einen Tipp an die echte UN haben sie auch. "Die sollten sich unsere Resolutionen angucken", schlägt "Sicherheitsabgeordneter" Timm Hofman vor. "Denn auch Jugendliche können Politik machen".

Westdeutsche Zeitung, 19. Dezember 2002, von Petra Wischgoll (Foto: Dieter Knopp)