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Junge Menschen zu mündigen Verbrauchern und Teilnehmern am Wirtschaftsleben erziehen
Interview mit Markus Bußmann
OBERKASSEL. Das Comenius-Gymnasium hat die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft zu einem der Schwerpunkte des Schulprogramms gemacht. In den vergangenen Wochen haben Wirtschaftsvertreter Schüler "fit für die Wirtschaft" gemacht. Fachvorsitzender für Sozialwissenschaften am Comenius ist Markus Bußmann. RP-Mitarbeiterin Heide-Ines Willner bat ihn um ein Gespräch.
RP: Seit einiger Zeit wird ökonomische Bildung am Comenius-Gymnasium groß geschrieben. Wie kam es dazu?
Bußmann: Unser Ziel ist, junge Menschen zu mündigen Verbrauchern und Teilnehmern am Wirtschaftsleben zu erziehen. Dabei wollen wir es nicht bei der Theorie belassen und Vorträge halten, sondern immer Praxis bezogen arbeiten.
Zum Beispiel?
Indem wir Vertreter der Wirtschaft einladen, als Experten für die Schüler zu fungieren. Ein Kurs aus der Klasse 9, der sich für das Fach Politik/Wirtschaft im Wahlbereich der Mittelstufe entschied, beteiligte sich am Programm "Fit für die Wirtschaft" der Citibank. Dabei hatten die Schüler großes Glück, denn mit Christel Licci kam sogar die Vorstandsvorsitzende der Citibank und Managerin des Jahres 2003 für acht Doppelstunden als Wirtschaftstrainerin in die Schule.
Worüber sprach sie?
Sie informierte die Schüler über Bewerbungstraining, Budgetverwaltung und den vernünftigen Umgang mit Krediten. Über das Thema Schulden und die damit verbundenen Risiken klärte sie ebenso auf wie über Sparformen und den Aktienmarkt. Für Einblicke in die Welt der Aktien lud sie die Neuntklässler abschließend in das Citibank-Investment-Center.
Können Sie schon jetzt von Erfolgen sprechen?
Ja, beim Börsenspiel der Sparkassen war das Comenius als einzige Düsseldorfer Schule mit zwei Teams unter den prämierten Gewinnern vertreten - wobei die Schülergruppe aus der Klasse neun sogar noch einen Rang höher lag als die Zwölftklässler.
Apropos Zwölftklässler. Diese Schüler haben ja Sozialwissenschaften als Leistungskurs gewählt. Das heißt, noch mehr Schwerpunkt auf Politik, Soziologie und Wirtschaft gelegt. Mit welchem Thema haben sie sich auseinandergesetzt?
Angeregt durch die Affäre "Florian Gerster" und die öffentliche Kritik an umfangreichen staatlichen Aufträgen an Unternehmensberater sowie Rolf Hochhuths umstrittenes neues Theaterstück "Mc Kinsey kommt" ist das Thema Unternehmensberatung in aller Munde. Die Zwölftklässler wollten es genauer wissen. Was tut eigentlich ein Unternehmensberater? Warum greifen Manager und Politiker vermehrt auf "Consultants" von Roland Berger und anderen zurück? Und was ist dran, am aktuellen Missmut über Berater und deren meist stattlichen Honoraren?
Und wer gab die Antworten?
Zwei Experten kamen in den Unterricht. Der Manager und Unternehmensberater Klaus Walter von der Düsseldorfer Firma "Vivita88 Consult" und Rainer Steppan, Wirtschaftsjournalist und Autor des aktuellen Bestsellers "Versager im Dreiteiler". Jeweils in einer Doppelstunde konnten die 17- bis 18-Jährigen der Oberstufe die Fachleute befragen und bekamen tief greifende neue Einsichten in die Wirtschaftswelt. Durch die Gegenüberstellung von Kritiker und Unternehmensberater konnten die Schüler Argumente und Gegenargumente abwägen.
Auch außerhalb der Schule?
Ja, zuvor war der Leistungskurs nach Frankfurt gefahren, um sich an Ort und Stelle über die größte deutsche Börse zu informieren und die Unterrichtsinhalte im Geldmuseum der Bundesbank zu vertiefen.
Wenn man das alles hört, dann entsteht der Eindruck, dass Comenius Bankkaufleute produziert.
Nein, darum geht es nicht. Auch nicht darum, nur Manager großzuziehen. Vielmehr wollen wir, dass Schüler eine kritische Kompetenz entwickeln. Und zwar auf anschauliche und praktische Weise. Jetzt streben wir eine Kooperation mit einem Wirtschaftsunternehmen an. Es sind bereits mehrere im Gespräch. Es ist einfacher, wenn man einen konkreten Partner hat, weil dann Fachleute aus der Wirtschaft leichter zu bekommen sind.
War das alles Ihre Idee?
Ich bin nur einer von drei Pädagogen, mit den Fächern Politik und Sozialwissenschaften. Meine Kollegen sind Anne Blumenthal und Jost Schüring der einst mit den Berufspraktika startete. Jetzt gibt es die personellen Möglichkeiten, neue Projekte und Aktivitäten anbieten zu können. So läuft beispielsweise auch einer unserer Oberstufenkurse Englisch als Zertifikatskurs. Die Schüler haben hier die Möglichkeit, ein anerkanntes IHK-Zertifikat für berufsbezogenes Englisch zu erwerben.
Wirtschaft und Politik sind ein Schwerpunkt. Gibt es einen zweiten?
Ja, es gibt weitere. Neben der Profilierung als sportbetontes Gymnasium legen wir auch großen Wert auf internationale Kontakte. Zusätzlich zu de schon länger bestehenden Partnerschaft mit einer französischen Schule haben wir kürzlich sowohl eine Partnerschaft mit einer australischen als auch mit einer Schule im nordspanischen Soria begonnen. Eine spanische Schülergruppe hat uns in Begleitung zweier Lehrerinnen bereits besucht und gerade ist eine große Schülergruppe des Comenius in Brisbane gewesen. Überdies beteiligen wir uns am internationalen Lehreraustauschsprogramm "Histep", das von der Firma Hitachi gesponsort wird. Für zwei Wochen unterrichten Lehrer von uns in Japan und kürzlich war der Gegenbesuch von drei japanischen Lehrern, die in unseren Klasse auf Englisch unterrichtet haben.
Rheinische Post, 04.05.2004
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