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Geldsegen contra Moral und Skrupel

Besuch der alten Dame: Entflammt die Jugendliebe erneut? Claire (Elisabeth Skolik) und Alfred (Timm Hofmann) tauschen Erinnerung aus.


RP-Foto: Bauer; Theater am Comenius-Gymnasium: "Der Besuch der Alten Dame" von Dürrenmatt

Von KLAUDIA KÖHN
OBERKASSEL. "Geld verdirbt den Charakter". So lautet eine gebräuchliche alte Volksweisheit, die der Literaturkursus des Comenius-Gymnasiums in der vergangenen Woche mit der Aufführung von Friedrich Dürrenmatts Stück "Der Besuch der alten Dame" aufgriff. Die Milliardärin Claire Zachanassian (herrlich selbstbewusst: Elisabeth Skolik) kehrt nach Jahren in ihr Heimatdorf Güllen zurück. Während sich die Bewohner des bankrotten Dorfs einen Geldsegen erhoffen, ist das einzige Ziel der verbitterten alten Dame, Rache an ihrer Jugendliebe, dem Krämer Alfred Ill (überzeugend: Timm Hofmann), zu nehmen. Der hatte damals vor Gericht die Vaterschaft von Claire's Kind abgestritten und Zeugen dafür bestochen. Nun bietet sie den Güllenern eine Milliarde, wenn sie im Gegenzug Alfred umbringen. Nach dem Motto: Ich kaufe mir meine eigene Weltordnung und Gerechtigkeit. Im Gepäck hat sie dafür neben einem Panther als "Schoßhündchen" und zwei blinden Eunuchen - die damaligen Zeugen, die sie kastriert und geblendet hat - auch einen Sarg. Entrüstet lehnt der Bürgermeister (super gespielt: Leonid Kharitonov) das Angebot ab: "Lieber bleiben wir arm als blutbefleckt!" Doch nach und nach ändert sich die Stimmung. Die Bürger leisten sich auf einmal einen teuren Lebensstil, so als hätten sie das Geld schon in der Tasche. Hier eine neue Seidenkrawatte, da ein neuer Goldzahn - Alfred schwant nichts Gutes, und er gerät immer mehr in Panik. Überall, wo er Hilfe sucht, sieht er Gewehre parat liegen - beim Pfarrer, beim Bürgermeister, beim Polizisten. Schließlieh ist er so verzweifelt, dass er nach Australien auswandern will. Doch am Bahnhof sieht er sich dem ganzen Dorf gegenüber und hat nicht die Kraft sich durchzusetzen. Am Ende ergibt sich Alfred in sein Schicksal. "Ich bin schließlich schuld daran. Ich habe Claire zu dem gemacht, was sie ist." So macht er einen letzten Ausflug mit seiner Familie durch seine Heimatstadt. Vor einer Versammlung im Theatersaal des "Goldenen Apostels" wird er schuldig gesprochen. Unter dem Vorwand, dass die Bürger Güllens solches Unrecht, wie es Claire von Alfred widerfahren ist, nicht dulden können. "Nicht des Geldes, sondern der Gerechtigkeit wegen." So siegt am Ende doch das Geld über die Moral, und zur Musik von "Money, Money, Money" der Gruppe ABBA schmeißen alle mit den frisch erworbenen Scheinen um sich. Ein Jahr hatte der Literaturkursus der Stufe 12 unter der Leitung von Constanze Lueb für die Umsetzung des Stückes geprobt. Die Hauptdarsteller haben schon Bühnenerfahrung mitgebracht: Elisabeth Skolik und Timm Hofmann spielten schon an der Jugendbühne in Heerdt. Das Probenwochenende schweißte die Truppe noch einmal richtig zusammen, bevor es in den Endspurt ging. Zwei Wochen vor der Erstaufführung hieß es dann jeden Tag üben. "Bei der Generalprobe habe ich noch gedacht: Oh Gott", so die Regisseurin. Doch als es ernst wurde, brillierten die Schüler in ihren Rollen und lieferten eine Leistung ab, die das Publikum zu stehendem Applaus hinriss.

RP, 02.06.2002