Presse
Englisch als SchlÜsselsprache
Fremdsprachenunterricht wird in NRW ausgeweitet: Seit vorigem Schuljahr lernen Grundschüler ab Klasse drei Englisch. Eine Probephase bis 2006. Dennoch: Neue Lernmethoden und eine enge Kooperation zwischen Primar- und Sekundarstufe stehen an.
"A, B, C", singen Schüler in der Aula des Comenius-Gymnasiums. Aber sie trällern ihr Lied nicht auf Deutsch, sondern auf Englisch. Denn das Alphabet samt Buchstabieren in der Fremdsprache, das ist ihre neue Lektion bei Miss Moneypenny. Die Lehrerin kommt aus Leeds und hält ihre erste Stunde. Natürlich komplett auf Englisch. "Miss Moneypenny's First Lesson" heißt das kurze Theaterstück, mit dem die Kinder für einen unterhaltsamen Programmpunkt sorgten auf der gestrigen Fachtagung "Englisch als Kontinuum: der Übergang von der Primarstufe zur Sekundarstufe I".
Aber sie zeichneten damit auch schulpolitische Zukunft. Denn die Fünftklässler des Gymnasiurns übten das Stück in englischer Sprache zusammen mit Viertklässlern der Grundschule Lörick ein. Dieses Gemeinschaftsprojekt ist Ergebnis der neuen Erprobungsphase, die für Grundschulen in Nordrhein-Westfalen verbindlich ist: Englisch-Unterricht ab Klasse drei.
Zum 1. August 2005 werden Grundschüler mit der zweijährigen Englischpraxis erstmals an weiterführende Schulen kommen. "Ein großer Schritt und eine Wegbereitung für Englisch als Schlüsselsprache", so Rolf Schormann von der Bezirksregierung Düsseldorf. "Notwendig ist dabei auch ein neuer Dialog zwischen Grundschullehrern und Kollegen der Sekundarstufe I", so Edgar Otten, Studienseminar Bonn. Durch Kooperationen wie Unterrichtsbesuche und Fachtagungen soll der Schulwechsel für Schüler und Lehrer gleichermaßen erleichtert werden.
Aber auch für die Praxis im Unterricht gibt es neue Lernmethoden: "In der Primarstufe geht es hauptsächlich um kommunikative Fähigkeiten, die durch Sprechen und Hören eingeübt werden", erklärte Christiane Groß, Studienseminar Münster. "In der Sek I hingegen um die Vertiefung dieser Grundlagen durch Lesen und Schreiben". Hilfestellung soll auch eine Art Tagebuch - ein Portfolio des Europarates - liefern: Geführt wie ein Heft können Grundschüler darin eigene Lernziele eintragen und so ihre Erfolge besser reflektieren. Zudem wird der Lernprozess dokumentiert und damit überprüfbar.
Rheinische Post, 6.10.2004, Autorin: AMANDA MILZ
|