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Lernen fürs Leben und nicht für Noten

Comenius-Schüler lernen "Soft-Skills" kennen

"Wenn ich im Ausland studieren oder arbeiten will, ist es wichtig, zu wissen, wie ich mit Menschen umgehe, die einen anderen kulturellen Hintergrund haben als ich", beschreibt Florian (18) von der 13. Klasse des Comenius-Gymnasiums ein Ergebnis des Workshops "Soft Skills". "Man muss andere Menschen genau beobachten und sich über die nationalen Geflogenheit informieren, um in der fremden Umgebung zurechtzukommen", ergänzt Mitschülerin Daniela (19).

"Soft Skills" bezeichnen Fähigkeiten wie Teamwork, Einfühlungsvermögen oder die Beachtung kultureller Unterschiede. Im Gegensatz zum Fachwissen oder handwerklichem Können geht es bei den "weichen" Fähigkeiten, um die emotionale Ebene von zwischenmenschlichen Kontakten. Bei Unternehmen wird diese "emotionale Intelligenz" für Bewerbungen immer wichtiger. Aber auch im Alltag können "Soft Skills" von Bedeutung sein.

"Es sind die Fragen des Umgangs miteinander. So kann es im Unterricht sinnvoll sein, wenn sich Schüler und Lehrer genauer beobachten, weil man so schneller weiß, was der andere von einem will", erklärt Lehrerin Ingrid Hartmann-Scheer, während Schüler Florian den Sinn der Soft Skills bei späteren Jobs im Ausland sieht: "Hier kenn' ich doch alles und weiß, wie es läuft." Und er erkennt einen weiteren Sinn der Übungen. "Wir haben als Gruppe die Aufgabe bekommen, aus Papier eine Brücke zu konstruieren. Da mussten wir akzeptieren, dass wir das Ziel nicht erreichen können, wenn jeder meint, er müsse die Führung übernehmen."

Entstanden ist die Idee zum Workshop aus der Kooperation des Gymnasiums und Henkel: "Es ist zwar nicht die Aufgabe der Schule die Schüler nach Wünschen der Wirtschaft auszubilden. Aber es kann sinnvoll sein, auch einmal ein Fenster nach draußen zu öffnen, um deren späteren Weg zu erleichtern", findet Hartmann-Scheer. So würde emotionale Intelligenz im Unterricht kaum ein Rolle spielen. "Es ist aber wichtig zu wissen, dass für das spätere Leben nicht nur die Abiturnoten wichtig sind."

Westdeutsche Zeitung, 7.10.2004, Autor: step