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Pétanque: Sport oder Landeskunde?
Foto: Dieter Knopp
Fünf Schulen spielen heute am Rheinufer.
Die Schüler des Comenius-Gymnasiums gehen ganz locker an die Stadtmeisterschaft der Schulen heran.
Von Angela Everts
Das Pétanque-Fieber, das schon die ganze Woche über dem Unteren Rheinwerft - wohl wollend gesagt - das Flair der Côte d'Azur
verleiht, spaltet Düsseldorfs Lehrerschaft. Sport oder nicht Sport - das ist hier die Frage. Viele haben jedenfalls ob der
sportlichen Qualität des Kugelspiels so ihre Zweifel. Das hat Folgen: Bloß fünf Schulen haben sich für die regionale
Schulstadtsportmeisterschaft angemeldet, die heute ab 15 Uhr am Rheinufer ausgetragen wird.
"Die Einladung ist an die Sportlehrer gegangen und die wollten das Papier schon in den Mülleimer werfen", erzählt Wolfgang
Fanter, der am Comenius-Gymnasium Französisch unterrichtet. Nach Ansicht der Oberkasseler Sportpädagogen ist Pétanque kein
Sport, sondern gehört allenfalls zur französischen Landeskunde, weshalb sie die Einladung schließlich großzügig an den
Romanisten weiterreichten. Der trommelte je eine Mannschaft aus den Klassen zehn und elf zusammen, übte zweimal mit den
Schülern in deren Freizeit - und lässt das heutige Spiel locker auf sich zukommen.
Anders urteilt man im Süden der Stadt. Sportlehrer Norbert Knist, der am Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium
unterrichtet, verdonnerte gleich seinen ganzen Kurs der Jahrgangsstufe 12 zum Pétanquespiel. "Wir probieren gerade
Trendsportarten zum Themengebiet Gleiten-Rollen-Fahren aus, und da passt Pétanque ganz hervorragend dazu." Vor allem die
Mädchen finden das Spiel prima. "Das ist mal was ganz Anderes, und bei der Hitze schwitzt man nicht so viel", meint Sophia
(18), während sie auf der Sportanlage an der Südallee fleißig versucht, ihre Metallkugel möglichst genau neben einer viel
kleineren Holzkugel, liebevoll auch Schweinchen genannt, zu platzieren. Wie sie sehen es die meisten Mitspieler, nur
Philipp hat ein gespaltenes Verhältnis zu der Kugel: "Eigentlich ist das ein Spiel für Ältere, mit Sport verbinde ich etwas
anderes, nämlich schnelle Bewegung." Trotzdem macht er mit, denn die drei Mannschaften mit je sechs Spielern, die Knist
angemeldet hat, wollen natürlich möglichst gut abschneiden.
Insgesamt zehn Mannschaften gehen heute an den Start. Zwei weitere kommen von der Gesamtschule Kikweg, ansonsten sind
zwei Langenfelder und eine Ratinger Mannschaft dabei. Angesichts der ungleichen Trainingsbedingungen der Schüler darf
man auf den Ausgang gespannt sein. Doch wie bei den Olympischen Spielen gilt auch hier: Dabei sein ist alles.
Westdeutsche Zeitung, 12.06.2003
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