Presse
Gegen Verdummung, Diktatur und Krieg
Karikaturen im Comenius-Gymnasium
von GERDA KALTWASSER
OBERKASSEL, Dass Lehrer von ihren Schülern lernen können, ist eine Erkenntnis des tschechischen Theologen und Pädagogen Johann Amos Comenius (1592-1670), Namensgeber des Comenius-Gymnasiums in Oberkassel. Als in der Aula die Ausstellung "Mit Feder und Pinsel gegen Volksverdummung, Diktatur und Krieg - Grafiken des tschechischen Künstlers Joseph Capek" (bis 26. April) eröffnet wurde, erklärte der Vorsitzende der Capek-Gesellschaft, Dr. Ulrich Grochtmann, der 1945 gestorbene Künstler und Karikaturist Joseph Capek wäre sehr froh über den Ausstellungsort Comenius-Gymnasium gewesen, er habe nämlich Comenius hoch geschätzt.
Geschätzt hätte er gewiss auch den geradezu detektivischen Eifer, mit dem die Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe sich Capeks Karikaturenwerk genähert haben. Schließlich fehlte ihnen jede eigene Erfahrung mit dem Schrecken des völkermordenden Nationalsozialismus, den der Karikaturist Joseph Capek so seherisch vorausgezeichnet hat wie 100 Jahre vor ihm Heinrich Heine die Bücher- und Menschenverbrennung beschrieben hat.
Im Mittelpunkt eine Zeichnung vom März 1933, sie zeigt einen brüllenden Adolf Hitler vor einem Feld aus Grabkreuzen, Totenköpfen, unter einem Schwarm schwarzer Vögel. Die Mädchen und Jungen erkennen die Uniform und den wie außer sich tobenden Hitler, deuten eine Vogelleiche als tote Friedenstaube, den Schwarm schwarzer Vögel als eine Art Banner, das an Hitlers erhobener Rechten mit geballter Faust flattert. Auch das eine seherische Deutung junger Düsseldorfer im Rückblick - Joseph Capek wäre beeindruckt.
Die Ausstellung der Capek-Gesellschaft, zum ersten Mal nach Düsseldorf geholt von dem jungen Lehrer Markus Bußmann, der damit seine außerstundenplanmäßige gesellschaftspolitische und kulturelle Arbeit zur Freude von Schulleiterin Monika Matthes im Comenius-Gymnasium beginnt, ist eine Fundgrube an Anschauungsmaterial über die Entwicklung des Faschismus in Deutschland, in Mittel- und Westeuropa. Zeitungsausschnitte, Aufrufe, begleiten die Karikaturen aus den Jahren 1927 bis 1938, ein großes Thema ist auch der spanische Bürgerkrieg. Immer wieder verblüfft die seherische Kraft des Karikaturisten. Aber noch mehr ängstigt die Einsicht in eine Blindheit, die den Menschen offenbar unfähig macht, die Flammen zu erkennen, in die er sich sehend stürzt.
RP, 23.04.2002
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