Presse
Karikatur im Gymnasium
Alptraum Hitler früh erfasst
Von GERDA KALTWASSER
Die Karikatur trägt das Datum 12.3.1933. An dem Tag ist sie in Prag in der Zeitung "Der Sozialdemokrat" erschienen. Sie zeigt einen mit geblähten Nüstern und weit geöffnetem Mund brüllenden Adolf Hitler in angedeuteter NSDAP-Uniform vor einer Kulisse aus Totenköpfen und unzähligen Grabkreuzen, über seinem Kopf schwirren schwarze Vögel. Die Karikatur stammt von dem tschechischen Grafiker Joseph Capek (1887-1945) und ist mit anderen Arbeiten des Künstlers in der Aula des Comenius-Gymnasiums an der Hansaallee zu sehen. Sie verschlägt jenen den Atem, die an diese Zeit noch Erinnerungen haben, sie ist eine Entdeckung für die Öffentlichkeit, der der Name des schreibenden Capek-Bruders Karel geläufiger ist, und sie erweist sich jetzt als Diskussionszündstoff für die Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufen I und II.
Immer wieder bleibt der Blick am Datum der Karikatur haften: Prag 12. März 1933. Das war wenige Wochen nach der "Machtergreifung" Hitlers in Deutschland. An den "Anschluss" der Tschechoslowakei dachte noch niemand. Konzentrationslager, Völkermord waren, so würde man es heute formulieren, allenfalls "angedacht". Joseph Capek nahm den Alptraum vorweg und zeichnete ihn, zeichnete später Hunger und Bombenterror im spanischen Bürgerkrieg, kurz, er wandte sich "Mit Feder und Pinsel gegen Volksverdummung, Diktatur und Krieg" - das ist der Titel der Ausstellung der "Capek-Gesellschaft für Völkerverständigung und Humanismus", die Lehrer Markus Bußmann an das Oberkasseler Gymnasium geholt hat (bis 26. April).
RP, 15.04.2002
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