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Laptop-Klasse am Comenius:
Wenn aus dem Lehrer ein Moderator wird


Foto: Oberkassel.de

Es ist kein Unterrichtsraum wie jeder andere. Statt einer Tafel gibt es ein "Star Board" - eine Art beschreibbarer Monitor - und einen Beamer. Statt mit Kreide schreibt der Lehrer mit einem elektrischen Stift auf dem Bildschirm - ganz im Stile des Mainzer Erstliga-Trainers Jürgen Klopp bei seinen WM-Spielanalysen im ZDF. Und noch einen gravierenden Unterschied gibt es zu gewöhnlichen Schulräumen: Statt Bücher und Hefte sind Laptop und USB-Stick fast schon unverzichtbares Lernmaterial.

Sieht so die Schule der Zukunft aus? Das Comenius-Gymnasium in Oberkassel geht dieser Frage seit Anfang des Schuljahres nach, denn seitdem arbeiten zumindest die Klassen 12 und 13 im Fach Sozialwissenschaften mit genau dieser Multimediaausstattung. Möglich wurde das Ganze durch einen Zuschuss der Stadt in Höhe von 50.000 Euro. Davon kaufte die Schule Laptops, Beamer, "Star Board", Ladestationen, W-Lan-Ports für kabelloses Surfen im Internet, eben all das was man für den Unterricht der neuen Generation braucht.

"Wir leben im 21. Jahrhundert. Warum sollen wir dann nicht auch mit den Mitteln des 21. Jahrhunderts arbeiten", merkt Markus Bußmann, Lehrer für Sozialwissenschaften (Sowi) und Geschichte, an. Er betreut das zukunftsweisende Projekt "mit Pilotcharakter". Derzeit arbeiten die Sowi-Grundkurse zweimal pro Woche, die Leistungskurse dreimal pro Woche mit den tragbaren Computern, meistens für die Hälfte einer Unterrichtseinheit.
Das Thema heute im Grundkurs der Klassenstufe 12: Globalisierung. Und während in anderen Unterrichtsstunden der Lehrer seine Schützlinge auffordert, ihre Bücher aufzuschlagen, heißt es bei Bußmann: "Holt euch die Laptops." Bei 22 Schülern kann zwar nicht jeder eins der nur 15 Geräte für sich beanspruchen, doch die Jugendlichen haben sich damit arrangiert, arbeiten teilweise in kleinen Gruppen zusammen. "Schön wäre natürlich, wenn wir noch mal 15 Laptops kaufen könnten, aber dafür sind wir auf Sponsorengelder angewiesen", so der Pädagoge.

Doch zurück zur Globalisierung: Dafür haben sich die Schüler in die virtuelle Akademie der Friedrich-Naumann-Stiftung eingeloggt. Nachdem sie sich im Vorfeld schon einige Fakten zum Thema ergoogelt und verschiedene Aufgaben dazu in der so genannten Lernwerkstatt abgearbeitet haben, steht der Austausch mit Experten und anderen Schulen auf der Tagesordnung. Bereits in der vergangenen Stunde hat die Klasse in mehreren Gruppen Fragen erarbeitet, die jetzt im Forum besprochen werden. Die drei Mädels um Sophie Dubbick (18) fragten beispielsweise, ob die europäische Textilindustrie komplett sterben würde, oder es Möglichkeiten gäbe, konkurrenzfähig zu bleiben. Gründlich studieren die Schülerinnen nun die Nachricht des Experten, notieren sich weitere Fragen, die sich aus dessen Antwort ergeben. "So entsteht eine interessante Diskussion", weiß Sophie und verrät. "Manchmal klinkt sich auch Herr Bußmann ein - meistens dann, wenn wir Fragen stellen, die wir eigentlich selbst beantworten könnten."

Für den Lehrer ein großer Vorteil des multimedialen Unterrichts: "Meine Rolle ist eine andere. Ich bin nicht mehr der große Zampano, der vor der Tafel steht und sagt, wo's langgeht. Vielmehr sehe ich mich als eine Art Modertor, ich unterstütze und helfe bei der selbstständigen Arbeit", erklärt Bußmann. Für ihn sei diese Form des Unterrichts die Zukunft, eine Methode, "die unbedingt auf andere Fächer ausgeweitet werden sollte." Die Schüler würden so den Umgang mit der Technik leichter lernen, selbstständiger arbeiten und nicht zuletzt ein Gefühl für das Präsentieren beispielsweise mit PowerPoint bekommen. Bester Beweis, dass das multimediale Lernen funktioniert: "Die Sowi-Klausuren der Laptop-Klasse sind besser ausgefallen als die im vergangenen Schuljahr ohne Laptops."

Die Schüler stehen der ganzen Sache allerdings noch etwas skeptisch gegenüber. "Der Unterricht ist zwar abwechslungsreicher, aber viele Sachen im Internet sind schwerer zu verstehen, stimmen auch nicht immer hundertprozentig", beschreiben Desiree Niggenaber (18), Marko Niibek (17) und Fabian Mikula (19) ihre Erfahrungen. In der Schule ausschließlich mit Laptops zu arbeiten, sei für sie eher unvorstellbar. "Sie sind zwar eine gute Ergänzung, aber noch lange kein Ersatz für den herkömmlichen Unterricht", meint Fabian.

Einen Vorteil können aber auch sie nicht leugnen: Das lästige Mitschreiben entfällt. Denn die Tafelbilder, die Markus Bußmann digital vorbereitet hat, oder gemeinsam mit der Klasse auf dem "Star Board" erarbeitet, landen hinterher ganz einfach auf dem eigenen USB-Stick der Schüler und brauchen zu Hause nur ausgedruckt werden. (rml)

Oberkassel.de, 29.12.2006