Presse
Ein sportbetontes Gymnasium im GrÜnen
Interview mit Monika Matthes
OBERKASSEL. Das Comenius-Gymnasium bewarb sich Anfang des Jahres darum, Sportgymnasium zu werden. Vieles sprach dafür: die Lage im Grünen, ein großzügiges Gelände, leicht zu erreichen und drei Schulen in unmittelbarer Nachbarschaft. Das alles zog nicht, denn das Lessing-Gymnasium am Hauptbahnhof bekam den Zuschlag. RP-Mitarbeiterin Heide-Ines Willner sprach mit Monika Matthes, seit zwei Jahren Schulleiterin an der Hansaallee.
Ist die Niederlage bitter?
Wir haben Interesse an der Profilierung Sport. Schließlich hat das Comenius eine lange sportliche Tradition und stellt auch heute noch häufig Fuß- und Basketball-Stadtmeister. Doch das Lessing-Gymnasium hat den Zug gemacht, wir müssen uns damit abfinden. Jetzt wollen wir nach vorn blicken und uns auf den Breitensport konzentrieren. Ich halte das für einen guten Weg. Und dass die Richtung stimmt, merke ich an den Anmeldezahlen. Wir werden wieder mit drei Klassen ins neue Schuljahr starten. Die Absage ist somit Ansporn auf dem Feld, auf dem wir sowieso schon sind, weiterzumachen.
Wie wollen Sie das umsetzen?
Vier Sportlehrer sind bereits an unserer Schule, ein fünfter ist in Aussicht. Heute haben die fünften und sechsten Klassen schon vier Stunden Sport in der Woche. Auch werden wir eine zweite Nachmittags-Betreuungsgruppe einrichten und ihr einen sportlichen Akzent geben. Denn Kinder sollten in der Freizeit Mögliehkeiten haben, sich zu bewegen. Wir streben dabei eine Zusammenarbeit mit den linksrheinischen Sportvereinen an, beispielsweise mit dem DHC, mit dem wir schon entsprechende Vorgespräche geführt haben. Dass es uns ernst ist, ein Sport betontes Gymnasium zu werden, zeigte unser Sportfestival am Freitag, das große Besucherströme angezogen hat und auf unglaublich positive Resonanz gestoßen ist. Wir präsentierten ein modernes Fitness-Equipment.
Was muss man sich darunter vorstellen?
Es handelt sich um ein multifunktionales Trainingsgerät, "Body-Spider" genannt, mit dem alle Muskelgruppen trainiert werden. Das ist höchst effektiv, um die motorischen Grundlagen der Schüler, die meist vor dem Fernseher oder Computer sitzen, zu verbessern. Dann werden auch die Leistungen insgesamt besser.
Sie sind seit zwei Jahren Chefin des Comenius und haben schon einiges bewegt. Gibt es weitere Pläne?
Zunächst möchte ich sagen, dass ich sehr gerne hier bin und ein Kollegium habe, das mich unterstützt. Auch unser Förderverein hat mit dem Arzt Klaus Schmittmann nun einen Schülervater zum Vorsitzenden, was hoffentlich mehr Mitglieder bringen wird. Gerne würde ich mit einer Klasse Latein anfangen, vorausgesetzt die Kinder kommen mit Englischkenntnissen aus der Grundschule. Sicher ist, dass wir die Berufsvorbereitung mit zwei Praktika ausbauen. In der Klasse neun soll es sozial ausgerichtet sein, in der Klasse elf berufsspezifisch. Unter dem Motto "Kooperation Schule und Wirtschaft" bietet ein neues Angebot "Politik/Schwerpunkt Wirtschaft" im Wahlbereich der Mittelstufe den Einstieg. Außerdem werden wir nach den Sommerferien gemeinsam mit der IHK und der Bezirksregierung einen Grundkurs "Berufsbezogenes Englisch" anbieten. Bei erfolgreichem Abschluss mit Zertifikat.
Es gibt ein weiteres Projekt unter dem Motto "Jugend, Kultur und Schule". Wie ist das zu verstehen?
Das Comenius-Gymnasium geht eine langfristige Paten- und Partnerschaft mit dem Hetjens-Museum ein. Gestartet wird mit dem Projekt "Bilderwelten", das in Theorie und praktischer Arbeit den Blick für fremde Kulturen schärfen soll. Es wendet sich an Schüler der Klasse zehn, die nach einem Rundgang durch 8000 Jahre Keramikgeschichte eine Stilepoche oder einen Zeitabschnitt auswählen und als Gruppe bearbeiten sollen. Heute um 12 Uhr werde ich den Vertrag mit dem Hetjens-Museum unterschreiben.
Sie kooperieren auch mit den Schulen in der Nachbarschaft. Wie sieht das aus?
Im Sinne der gemeinsamen Schülerschaft kooperieren wir in der Oberstufe eng mit dem benachbarten Cecilien-Gymnasium und können auf diese Weise ein breites Leistungsangebot der Oberkasseler Gymnasien gewährleisten. Was Arbeitsgemeinschaften betrifft, so gibt es Absprachen, auch mit der Carl-Benz-Realschule, diese für die Schüler der jeweils anderen Schulen zu öffnen. Und auch im Bereich Sport klappt die Kooperation gut. Es werden beispielsweise Fremdsprachenspiele in Fußball ausgetragen. Dann ist auch die Japanische Internationale Schule stets dabei.
RP, 29.07.2003
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