Presse
SchÜler fragen, Politiker antworten
Gymnasium organisierte einziges Düsseldorfer Spitzentreffen
Von Heike Hendrix
Nur bei einem einzigen Wahlkampfauftritt trafen die Spitzenkandidaten der größeren Parteien für das Düsseldorfer Oberbürgermeisteramt am Dienstag (21.09.04) aufeinander. Ein Gymnasium hatte die prominente Runde für seine Schüler organisiert. Welche Fragen haben die Jungwähler, welche Antworten die Politiker?
Viertel vor sieben abends im Düsseldorfer Stadtteil Oberkassel: Zwischen 16 und 20 Jahren alt sind die Schülerinnen und Schüler, die teils mit Eltern, teils ohne, zur Aula des Comenius-Gymnasiums kommen. Der Schülerrat hatte eingeladen: zum einzigen Spitzentreffen der vier Bewerber von CDU, SPD, FPD und den Grünen um das Oberbürgermeisteramt der Landeshauptstadt. Einige Meter vom Eingang entfernt gibt es die ersten Flugblätter mit Wahlprogrammen - allerdings nicht von den geladenen Parteivertretern, sondern von den Republikanern. "Nach den Ergebnissen im Osten - ein bisschen Angst hat man da ja schon, dass das hier nicht auch mal so kommen könnte", murmelt einer.
Wichtiges Wahlkampfthema: der "Wohlfühl"-Charakter der Stadt
Drinnen füllt sich die Aula zunehmend. Ein paar Schüler müssen sich mit einem Sitzplatz auf dem Boden zufrieden geben. Kurz nach sieben Uhr: Der Lehrer des Leistungskurses für Sozialwissenschaften und der Schülersprecher, für diesen Abend die Moderatoren der Veranstaltung, eröffnen den Schlagabtausch. Der amtierende Oberbürgermeister, Joachim Erwin von der CDU hält sich eng an seine Notizblätter, betont die Erfolge seiner Politik und den "Wohlfühl"-Charakter der Landeshauptstadt. Ins gleiche Horn stößt auch die SPD-Kandidatin Gudrun Hock. Kräftigen Beifall bekommt sie für ihr direktes Lob an die Schüler: "Diese Einladung hat mich besonders gefreut, weil sie mir zeigt, dass es politisches Engagement gibt. So etwas muss in Zukunft noch viel häufiger stattfinden." Martin Zeitz, Kandidat der FDP versucht Profilierung durch Profil zeigen: Er erklärt den Schülern erst einmal, warum die FDP die einzig "wirklich" liberale Partei ist und nicht nur deshalb ganz anders als die anderen. Wolfgang Scheffler von den Grünen zählt die für ihn wichtigen Themen auf: Kinderbetreuungsplätze, Ausländerintegration, Verkehrsprojekte, Gewaltprävention an Schulen.
"Und woher bitteschön sollen wir das Geld nehmen?"
Nun sollen die Schüler und Schülerinnen Fragen stellen, und damit es nicht zu durcheinander zugeht, erst einmal zum Thema Jugend, Bildung und Schule. Die Jugendlichen sind gut vorbereitet; zu diesem Bereich fällt ihnen eine Menge ein, ob nun zur Sanierung der Schulen, der Zukunft von Sportstätten und Freizeiteinrichtungen oder der Lage auf dem Lehrstellenmarkt. Bundespolitische Themen kommen an diesem Abend nicht vor; das Interesse der Jugendlichen zielt auf die Kommunalpolitik. Ein Schüler will wissen: "Warum gibt es nicht mehr bezahlbare Proberäume für Nachwuchsbands in der Stadt?" Die Antwort des Oberbürgermeisters ist knapp. Vom Podium aus delegiert er sie direkt an die im Publikum sitzenden Bezirksvertreter. Die sind allerdings nicht begeistert. "Super und woher bitteschön sollen wir das Geld nehmen?" raunt einer seinem Sitznachbarn zu.
Bei der Finanz- und Wirtschaftspolitik steigt die Spannung - bei den Politikern
Die Finanzen der Stadt, ein weiterer Programmpunkt des Abends. Public Private Partnership, Mittelstandsförderungsprogramme oder das Kosten-Nutzen-Konzept für die neue Arena - die Politiker werden bei diesem Thema lebhafter. Die ersten schärferen Töne kommen auf. Bittere Töne über fehlgeschlagene Kompromisse, angeblich falsche Kalkulationen - die Politiker diskutieren mehr und mehr untereinander oder aneinander vorbei.
Im Saal ist es ruhiger geworden. Die Jugendlichen verfolgen die Diskussion mit offenen Mündern und großen Augen, folgen können ihr nicht mehr alle. "Was ist das denn jetzt mit dieser Ausbalancierung oder so? Ich glaube, das habe ich jetzt nicht so ganz verstanden", sagt eine Schülerin kopfschüttelnd zu ihrer Freundin.
Wenig konkrete Antworten der Spitzenkandidaten
"Warum will die FDP eigentlich die Hundesteuer abschaffen? Und warum schauen Sie, Herr Zeitz, auf einem Plakat eigentlich nett aus und auf anderen immer so wütend?" Diese unvermittelte Frage einer jungen Schülerin bringt kurzfristig noch einmal Leben ins Publikum; es wird gelacht. Leicht verschüchtert gibt das Mädchen noch nicht auf: Sie frage sich und damit auch die Politiker auf der Bühne, was die Parteien mit ihrem Wahlplakaten bezwecken würden, und warum sie sie eigentlich machen, wie sie sie machen. Eine konkrete Antwort bekommt sie nicht von den Spitzenkandidaten. Nur eine halbe Minute und sie sind wieder unter sich, in der Diskussion um ihre eigenen Themenschwerpunkte. "Ich bin schon etwas enttäuscht", erklärt so auch der 20-jährige Moritz Krautscheid nach der Veranstaltung. "Viel ist von den Politikern ja nun nicht rübergekommen - aber wählen geh' ich trotzdem am Sonntag."
www.wdr.de, 22.09.2004
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