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Das erste Date im Comenius-Gymnasium - kurz vor der Wahl



Das Comenius-Gymnasium hatte es geschafft: Zum ersten und einzigen Mal, und das fünf Tage vor der Wahl, setzten sich die vier Spitzenkandidaten von CDU, SPD, Die Grünen und FDP auf das Podium der Aula, um sich den Fragen, vor allem der Erstwählerinnen und -wähler zu stellen. Bevor die Diskussion, moderiert von Schülersprecher Sven Holly und Verbindungslehrer Markus Bußmann startete, hielten die Vier kurze Eingangsplädoyers. Joachim Erwin (CDU) präsentierte als amtierender Oberbürgermeister die Erfolge der letzten fünf Jahre und würdigte den linksrheinischen Bereich als die "Perle, auf die wir stolz sein können." Gudrun Hock (SPD), die sich selbst als "Finanzerin" bezeichnete, fokussierte ihre Rede auf engagierte Stadtteilpolitik und warb für Networking und die Bildung eines Ausbildungsverbundes. Großen Lacherfolg in der vollbesetzten Aula erntete Dr. Martin Zeitz (FDP) für seine Erklärung, warum weder CDU noch SPD und Grüne liberal seien. Wolfgang Scheffler (Die Grünen), der ankündigte, vor allem Alleinerziehende mit der Schaffung weiterer Kindertagesstätten, offener Ganztagsschule und besserer Schulsozialarbeit unterstützen zu wollen, wollte wissen, ob die Schüler "uns vier an einen Tisch oder an vier Tische" eingeladen hätten.

Das bewegt Schülerinnen und Schüler bei einer Wahl wie dieser: Wie behandeln die Politiker Gewalt an Schulen? Was ist mit der Schulsanierung? Wie wird Sport und Musik gefördert? Was treibt die Bildung von körperlich und geistig behinderten Menschen voran? Die Unterschiede zwischen den Parteien wurden besonders deutlich bei der Umsetzung des sogenannten Masterplans. OB Erwin möchte am Masterplan mit seinen Zeitvorgaben festhalten, während Gudrun Hock und Dr. Martin Zeitz auf eine schnellere Umsetzung drängen. Wolfgang Scheffler hält wenig von der Profilierung einzelner Schulen und sprach sich dafür aus, dass "jede Schule ideal ausgestattet sein muss".

Ob Privatisierung der Rheinbahn und Stadtwerke oder Bilker Arkaden: Die Schüler wurden Zeugen, dass jede Prognose eine Gegenprognose provoziert, fast jedes Gutachten einem anderen widerspricht und dass Zahlen zwar harte Fakten sind, aber weiche Interpretationen zulassen. Selbst die Frage an Dr. Martin Zeitz, warum die FDP auf den Wahlplakaten mit der Abschaffung der Hundesteuer wirbt, mündete vorab in ein Lob an die Werbestrategen, bevor Dr. Zeitz erklärte, die FDP sei grundsätzlich für die Abschaffung von Bagatellsteuern, die dem Bürger nur das Geld aus der Tasche ziehen.

Neben Fragen nach der weiteren Erschließung des ÖPNV (Wehrhahnlinie, Hafenlinie, U80) stand vor allem die Arena im Mittelpunkt des Interesses. Fertigstellung, Finanzierung, Auslastung und Sicherheitskontrollen sorgten für kontroverse Standpunkte. Während der amtierende OB Erwin von einer "ganz soliden und seriösen Finanzierung" überzeugt ist, sprach Gudrun Hock von "groben Managementfehlern und keinem festen Nutzungskonzept". Auf die Frage, ob Düsseldorf nicht einen attraktiveren Bahnhof brauche, erklärte Erwin: "Sie kriegen eher ein Kamel durch ein Nadelöhr als die Bahn für die Umgestaltung des Bahnhofs".

Großes Interesse erregte die städtische Drogenpolitik und die Frage, warum nicht Räume angeboten werden, um die Fixer von der Straße und aus der Beschaffungskriminalität zu holen. Prompte Antwort von Joachim Erwin: "Die Stadt als Dealer? Nein!" Für 4 000 Heroinabhängige (1990 waren es laut Statistik 6 000) müsse man 25 "Fixerstuben" einrichten, das sei keine Lösung. Das stieß auf heftigen und einhelligen Widerspruch im Podium und den Verweis auf den Erfolg anderer Städte mit sogenannten Druckräumen. Gudrun Hock: "Diese Menschen haben ein Recht auf Hilfe."

Antworten auf die Frage nach anderer Nutzung leer stehender Gewerbeflächen dokumentierte am Ende wieder die unterschiedlichen parteipolitischen Standpunkte. Während der OB knapp erklärte, das ginge so nicht, schlug Gudrun Hock vor, kreativ mit den Eigentümern zu sprechen und Teile der Gebäude in preiswerten Wohnraum umzuwandeln und erhielt Unterstützung von Wolfgang Scheffler: "Wir brauchen vor allem Mehrraumwohnungen für Familien mit Kindern.

Fazit der gut zweistündigen Veranstaltung: Eine friedfertige Veranstaltung, die professionell organisiert wurde und nach Wiederholung schreit - vielleicht nicht nur kurz vor den Wahlen.

www.oberkassel.de, 22.09.2004