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Auf AugenhÖhe



Politiker treffen Jungwähler: Die vier OB-Kandidaten standen Schülern des Comenius-Gymnasiums Rede und Antwort.

Die Hose hängt lässig in den Knien, die Kappe auf dem Hinterkopf. "Das ist echt cool heute. Wir sitzen drinnen, und die Erwachsenen müssen draußen bleiben", sagt ein 16-Jähriger zu seinem Kollegen. Schließlich heißt die Veranstaltung im Comenius-Gymnasium "Schüler fragen - Spitzenpolitiker antworten". Nicht anders. Und so ist das Publikum bei der einzigen Diskussionsrunde, bei der sich alle Oberbürgermeister-Kandidaten der vier größten Parteien an einen Tisch setzen, überwiegend minderjährig, aber wahlberechtigt.

"Vielleicht stellen unsere Schüler ihre Fragen unverblümter oder ehrlicher, als Sie das bislang gewohnt sind", warnt Schülersprecher Sven Holly bei seiner Begrüßung Joachim Erwin (CDU), Gudrun Hock (SPD), Wolfgang Scheffler (Grüne) und Martin Zeitz (FDP). Sollten die Kandidaten tatsächlich vor der Jugend innerlich zittern, ist dies unbegründet. Die Sympathien im Publikum sind ungefähr gleich verteilt, die Schüler haben sich im Unterricht mit der Kommunalpolitik und den Wahlprogrammen intensiv beschäftigt.

Warum gibt es in der Arena keine Stehplätze? Wie sieht das Konzept der Schulsanierung aus? Wie wird der Schulsport gefördert? Wie viel und was wird in der Stadt noch privatisiert? FDP-Kandidat Zeitz muss sich aber auch eine politisch-persönliche Frage gefallen lassen. "Warum schauen Sie auf Ihren Plakaten immer so böse? Nur auf dem mit dem Hund gucken Sie anders", kritisiert eine Schülerin. Wenn sich die Politiker mit ihren unterschiedlichen Standpunkten in die Wolle kriegen, klatscht und johlt das Publikum. Begeistert sich für Streitkultur.

Leicht abspeisen lassen sich die Jugendlichen nicht. Ein Schüler fragt Erwin zum Beispiel nach seinem Kurs in der Drogenpolitik und erklärt ihm, dass die Vertreibung von Abhängigen in andere Stadtteile das Problem in seinen Augen nicht löse. Nach einer ihn nicht zufrieden stellenden Aussage bleibt der Fragesteller hartnäckig, begibt sich mit dem Amtsinhaber auf Augenhöhe und behauptet keck: "Wir beide wissen doch, dass die von Ihnen genannten Zahlen utopisch sind."

Am Ende kennen die Schüler ihre Favoriten - auch wenn die Entscheidung nicht immer aus politischen Motiven fällt. "Ich fand den Zeitz am besten. Der hat wenigstens Stimmung gemacht", sagt einer. Und wer ist der Sieger des Abends? Erwin oder Hock? Grüne oder FDP? "Alle", sagen die Jungwähler. Schließlich sind die Kandidaten gekommen, um ihnen Antworten auf ihre Fragen zu geben. "Das ist doch klasse."

Die Fragerunde mit den vier Spitzenkandidaten hat die Schülervertretung des Comenius- Gymnasiums gemeinsam mit ihrem Lehrer Markus Bußmann selbst organisiert. Die Plätze in der Aula waren den Schülern vorbehalten. Rund 250 Interessierte verfolgten die Diskussion auf dem Schulhof über eine Videowand.

Rheinische Post, 23.09.2004, Autorin: MARTINA STÖCKER