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Das Quartett vor vollem Haus

Zur ersten und letzten gemeinsamen Diskussion trafen sich die vier Spitzenkandidaten im Comenius-Gymnasium. Es ging friedlich zu.
Und siehe da: Kurz vor Wahlkampfschluss trafen sie sich doch noch zur ersten und letzten Podiumsdiskussion, die vier OB-Spitzenkandidaten Joachim Erwin (CDU), Gudrun Hock (SPD), Wolfgang Scheffler (Grüne) und Martin Zeitz (FDP). Möglich machten die Vierer-Runde Schüler und Lehrer des Oberkasseler Comenius-Gymnasiums. Und dessen Aula war am Dienstag mit hunderten, meist jungen Zuhörern auch prompt rappelvoll. Um es vorweg zu sagen: Es war selten langweilig, obwohl keine neuen Argumente ausgetauscht wurden, es war recht friedlich, ab und an sogar lustig, und alle vier Kandidaten machten eine passable Figur vor der Jungwählerschaft.
Dass die Schüler die Politiker befragen konnten, war eine schöne Idee. Leider hatte sie in der Realität des Abends aber auch Tücken. Denn heraus kamen zum Teil Fragen, die gestelzt und bestellt klangen - etwa die zur Größe der umstrittenen Einzelhandelsfläche in den "Bilker Arcaden", bei der sich das Quartett dann in langatmigen Zahlenspielen verhedderte. Oder es wurde so realistisch, aber kleinteilig, zum Beispiel nach einem Musikprobenraum in Oberkassel gefragt, dass die ohnehin nur schwammigen Antworten dazu kaum einen interessierten.
Nun, einen Eindruck bekam man von den vieren allemal. In der Sache wurden bei Themen wie Finanzen, Privatisierungen, Arena, U-Bahnbau oder Schule sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede deutlich, und das in unterschiedlichen Konstellationen. Es fiel auf, dass dabei gar nicht mal so selten drei gegen einen standen - und der Eine war Joachim Erwin.
Und dann ließ sich natürlich auch jede Menge Persönlichkeits- und Stilkunde betreiben. Die Sitzordnung folgte den klassischen Koalitionsmustern: Links Scheffler und Hock, rechts Erwin und Zeitz. Joachim Erwin wirkte anfangs noch etwas verbissen, vor allem, als seine Gegner bei der Vorstellung mehr Applaus einheimsten. Aber dann spulte er sein Programm doch sehr souverän herunter und ließ sich auch von unsachlicher Kritik nicht aus der Ruhe bringen. So oft wie selten verfiel er übrigens in einen rheinischen Slang mit viel "dat" und "wat". Und einmal sagte er sogar "Frau Hock" und nicht wie bisher nur "Frau Kandidatin". Martin Zeitz bewies sein Talent zur eloquenten und pointierten Rede, etwas nervig wirkte sein x-tes Herunterbeten des liberalen Glaubensbekenntnisses ("Freiheit heißt..."). Dass Wolfgang Scheffler flott und kundig sprechen kann, war bekannt. Diesmal punktete er auch mit süffisanter Ruhe und rhetorisch eleganten Angriffen gegen Erwin. Gudrun Hocks Attacken gegen den Amtsinhaber trugen da schärfere Züge, sie biss mehr. Dafür versuchte sie umso mehr, die Schüler im Saal einzubinden.
Westdeutsche Zeitung, 23.09.2004, Autor: Alexander Schulte
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