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Shakespeare - und dann?

Arbeitgeber beklagen sich über zu wenig ausbildungsfähige Azubis: Der Lehrplan ist praxisfern. Große Unternehmen wie Henkel, Eon, 3M treten selbst in Aktion, bieten Kurse für Schüler und Lehrer.

DÜSSELDORF Diskutieren Sie, inwiefern Shakespeares Sonette biographischen Hintergrund haben. Ist "Der Sturm" eine Tragödie, eine Komödie oder ein Königsdrama? Wie beurteilen Sie die Darstellung des Juden im Kaufmann von Venedig? Drei Aufgaben zum Thema Shakespeare, die Oberstufenschüler in der Regel beantworten können. "To be or not to be" - die Frage ist nur, ob man mit diesem Wissen auch nach der Schule noch etwas anfangen kann. Michael Rolf Fischer von Henkel ist sich da nicht so sicher. "In der Literatur kennen sich die Jugendlichen aus. Aber was helfen einem Hamlet-Kenntnisse am Verhandlungstisch oder beim Formulieren einer E-mail?" Um die Schüler auch in Business-Englisch fit zu machen, hat Henkel in Kooperation mit der IHK und Düsseldorfer Schulen ein "Forum Fremdsprachen" eingerichtet. Man wolle nicht nur schimpfen, dass der Nachwuchs zu schlecht ausgebildet sei, sondern etwas dagegen tun. "Lehrer gehen von der Schule an die Uni und zurück an die Schule", sagt Fischer. "Da ist es kein Wunder, wenn sie nicht wissen, was die Wirtschaft heute von jungen Leuten erwartet." Henkel bietet daher Pädagogen Praktika und sogar Teilnahme an Verhandlungen und Konferenzen mit ausländischen Geschäftspartnern an. "Wenn die Lehrer wissen, welche Anforderungen Firmen haben, können sie darauf auch in ihrem Unterricht eingehen." Ob Telefongespräche, schriftliche Anfragen oder Reklamationen - es gebe viele Kommunikationssituationen im beruflichen Alltag, die auch schon in der Schule eingeübt werden könnten. Ein Zukunftsprojekt ist die "berufsorientierte Sprachprüfung für Schüler". Vorreiter ist das Düsseldorfer Comenius-Gymnasium. In einer von Henkel unterstützen AG lernen die Jugendlichen Geschäftsenglisch und bekommen nach einer IHK-Prüfung einen Qualifikationsnachweis. Schule trifft Wirtschaft. Immer mehr Firmen sehen sich genötigt, die Mängel in Lehrplan und Unterricht auszumerzen, und treten selbst in Aktion, um ihre zukünftigen Azubis fit fürs Berufsleben zu machen. Ob Eon, die Metro, Bayer, Vodafone oder 3M - nahezu alle großen Unternehmen der Region setzen auf frühe Nachwuchsförderung. Im Chemiepark Bayer wurde ein Genlabor eingerichtet, in dem Schüler die Möglichkeit haben, unter Anleitung Erbgut zu isolieren und zu analysieren. Naturwissenschaftliche Fächer erlebbar machen, das will auch das Multitechnologie-Unternehmen 3M. "Wir haben seit Jahren große Probleme, qualifizierte Mitarbeiter zu finden", erklärt Pressesprecherin Kerstin Hofmann. "Unser Meinung nach müssen die Fächer erlebbarer gemacht werden. In unseren Hochspannungslabors sehen Schüler, dass man das, was man ausrechnen auch anwenden kann." Dies könne Motivation und Anreiz sein, sich in ein Thema in der Schule reinzuknien. Lehrern fehlten oft die Argumente, wofür man Formeln fürs Leben braucht. Vodafone wird bis zum Ende des Jahres ein Lehr- und Lernzentrum für technikbegabte Hauptschüler einrichten. "An unseren Azubis stellen wir immer wieder fest, dass ihnen der Praxisbezug fehlt. Dem wollen wir entgegenwirken", erklärt Andrea Zinnenläufer von der Vodafone-Stiftung. In einem Spezial-Raum würden 140 Schüler vierzehn Tage lang einen Lehrgang über Elektronik, Computer- und Messtechnik absolvieren. Nina Schmidt, Sprecherin des nordrhein-westfälischen Schulministeriums, sieht das Engagement der Wirtschaft als ein "Geben und Nehmen auf beiden Seiten". Davon, dass die Lehrpläne nicht zeitgemäß auf die Bedürfnisse ausgerichtet sind, will sie nichts wissen. The rest ist silence.

Rheinische Post, 03.07.2004, VON GABY HERZOG