Presse
Shakespeare hilft im Job-Alltag selten weiter
Schulenglisch reicht nicht für den Beruf. Experten-Forum bei Henkel diskutierte über Fremdsprachen-Unterricht. Neue IHK-Angebote.
Bewerbung heißt "Application" - und Firmenpraktikum? Hmm, vielleicht "Work placement"? Spätestens da hört's bei den meisten Schülern auf, dabei wird Englisch fürs spätere Berufsleben immer wichtiger. Doch: Was in der Schule gelehrt wird, reicht nicht aus. Gestern trafen sich bei Henkel in Holthausen gut 200 Lehrer, Unternehmer und Verwaltungsleute zu einer allgemeinen Bestandsaufnahme. "Mit Shakespeare an den Verhandlungstisch?" - lautete das Motto. Die Antwort gab's schon nach wenigen Minuten: Die in der Schule vermittelte Kenntnis, fremdsprachiger Klassiker allein reicht nicht aus, um im Ausland Geschäftsabschlüsse, unter Dach und Fach zu bringen.
Freilich: Englisch-Unterricht beginnt anno 2004 schon in der Grundschule, ist längst mehr als Shakespeare lesen und schließt auch Auslandsaufenthalte sowie Spontangespräche übers Wetter und über Fußball oder Kosmetik mit ein. Das wurde gestern auch im Beisein von Regierungspräsident Jürgen Büssow ("ich glaube, unsere Schulen sind up to date") ausführlich gewürdigt.
Trotzdem ist aus Firmensicht nicht alles im grünen Bereich. Henkel-Geschäftsführer Knut Weinke berichtete, dass im vergangenen Jahr am Standort Düsseldorf 2500 der insgesamt 8500 Mitarbeiter die vom Konzern angebotenen Sprachkurse besucht hätten: "Ideal ist es nicht, wenn wir als Unternehmen noch so viel an Grundlagen vermitteln müssen", so Weinke. Wie bitter nötig Englisch im Arbeitsalltag ist, zeigt das Beispiel der Metro: 70 Prozent des internen Schriftverkehrs finden auf Englisch statt, berichtete Metro-Personalfachfrau Julia Merkel.
Also: Was vermissen die Firmen? Antwort: Englisch-Unterricht, der mehr konkreten Berufssituationen zugewandt ist. Bei dem es beispielsweise ums Abfassen eines "Meeting- Protokolls" geht. Oder ums Bewerben um ein Praktikum im Ausland. Rüstzeug für eben solche Situationen verspricht ein Unterrichtsprogramm für Schulen, das Henkel mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Bezirksregierung entwickelt und am Comenius-Gymnasium erprobt hat. Neu ist ferner eine "Zusatzqualifikation berufsorientierter Fremdsprachen", welche die IHK fortan Schülern allgemeinbildender Schulen anbietet.
NRZ, 22.06.2004, Autor: dum
|