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In der Spinne liegt die Kraft
Vielen Kindern und Jugendlichen hier zu Lande mangelt es an Kraft und Ausdauer.
Das Comenius-Gymnasium will dem im Sportunterricht entgegensteuern.
Mit dem neuen Projekt "Moderne Schulfitness".
von MARTINA STÖCKER
Die Aufgabe hört sich nicht unlösbar an. Die fünfte Klasse, die Peter-Axel Müller am Comenius-Gymnasium unterrichtet, soll fünf Minuten im Sportunterricht laufen. Doch von vielen seiner Schüler ist das schon zu viel verlangt. "Nach 150 Metern hören die ersten schon auf, nach zweieinhalb Minuten läuft nur noch die Hälfte", berichtet der Diplom-Sportlehrer aus seinem Alltag.
Szenen und Eindrücke wie diese sind für den ehemaligen Eishockey-Profi der DEG Anlass gewesen, nach neuen Wegen zu suchen, um Kraft, Schnellkraft und Ausdauer seiner Schüler zu verbessern. Denn gerade daran mangelt es seiner Meinung nach. Und deshalb will er nach den Sommerferien im Rahmen des neuen Projekts "Moderne Schulfitness" mit dem Body-Spider arbeiten. Hinter dem englischen Begriff verbirgt sich ein Fitnessgerät, an dem sechs Personen gleichzeitig ihre Muskulatur kräftigen können und das ähnlich einer Wäschespinne schnell auf- und abgebaut wird. "In Sekundenschnelle entsteht somit ein Fitnessstudio in der Turnhalle", sagt Müller, der den Anspruch an die klassischen "Leibesübungen" im Lehrplan vermisst.
Haltungsschäden, fehlende Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer sowie Übergewicht will er damit korrigieren. Ein Ansatz, der auch die Leistungen in den anderen Schulfächern verbessern soll. Müller: "Die Kinder werden zu schnell müde, so dass sie sich in der 5. oder 6. Stunde nicht mehr auf Mathematikaufgaben konzentrieren können." Mit steigender Fitness wachse die Ermüdungs-Widerstandsfähigkeit. Außerdem: "Wenn wir nur ein Sechstel unserer Kinder dadurch gesünder machen, ist das eine volkswirtschaftliche Einsparung in Milliardenhöhe", glaubt Müller. Derzeit stellt ein Diplom-Ökonom an der Uni Duisburg dazu Berechnungen an.
Für zwei Geräte muss der Förderverein des Gymnasiums rund 30 000 Euro aufbringen. Doch das Projekt hat laut Müller schon einige Sponsoren begeistert. Und außerdem das Interesse der Forschung geweckt. Theodor Stemper, Privatdozent am Institut für Sportwissenschaft an der Universität Düsseldorf, plant, mit Studenten eine Studie über die Trainingsmethodik anzufertigen. Schon jetzt geht er davon aus, dass der Body-Spider den Bewegungsanteil im Sportunterricht erhöht. "Bei Volleyball oder Turnen ist der Aktionsanteil der einzelnen Schüler sehr gering und liegt nur bei einer effektiven Bewegungszeit von sechs bis neun Minuten in einer Dreiviertelstunde", sagt Stemper. Bei dem Zirkeltraining mit Body-Spider, Mini-Trampolinen und Fahrrad-Ergometern sei eine komplette Klasse in Bewegung - und dies über einen längeren Zeitraum. Zudem werde jeder nach seinen Möglichkeiten gefördert und verbessere sich auch dementsprechend. "Vor allen Dingen für Schüler, die im Sport eine Null sind, ist diese Methode ein Vorteil", meint Stemper.
Der Body-Spider bietet sechs Varianten zum Krafttraining. Zudem sollen die Schüler auf Mini-Trampolinen ihre Schnellkraft und Ausdauer verbessern. Auch mit Hilfe der Fahrrad-Ergometer wird Kondition gebolzt. Die Sorge, dass eine falsche Anleitung am Body-Spider mehr Schaden als Nutzen nach sich zieht, weist Sportwissenschaftler Stemper zurück. "Das Prinzip ist einfach, nach drei, vier Trainingseinheiten wissen die Schüler damit umzugehen." Das Fitness-Training soll den Sportunterricht ergänzen, ihn nicht komplett ersetzen. So bleiben spielerische Elemente erhalten - das ist besonders wichtig für die unteren Stufen.
Nach diesem Projekt hat Peter-Axel Müller ein neues Ziel fest im Blick: die Gründung eines Entwicklungszentrums für Schulsport. Ob es letztlich in Düsseldorf eine neue Heimat findet, steht noch nicht fest. Durch die Initiative des Comenius kommen wohl nicht nur die Schüler in Bewegung.
Beim Schulsport-Festival am Freitag, 25. Juli, 14 bis 20 Uhr, stellt das Comenius-Gymnasium, Hansaallee 90, den Body-Spider vor. Die Schule hat zudem eine Hotline (Tel. 55 26 27, 8 bis 15 Uhr) für Sponsoren eingerichtet.
RP, 03.07.2003
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