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Fit statt fett

Pilotprojekt für moderne Schulfitness an Düsseldorfer Gymnasium Düsseldorf

Mit einem bislang einzigartigen Konzept f ür den Sportunterricht will das Düsseldorfer Comenius-Gymnasium seine Schüler gesünder und fitter machen. Der an der Schule entwickelte neuartige «Vollmotorikcircle» für den Sportunterricht aller Jahrgangsstufen könne überregionalen Modellcharakter haben, sagte Sportlehrer Peter-Axel Müller in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp in Düsseldorf. Am Dienstag (11.30 Uhr) wird das Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt. Hintergrund der Kampagne ist die Tatsache, dass sich das Freizeitverhalten von Schülern und Jugendlichen in den vergangenen 15 Jahren dramatisch geändert hat: «Sie sitzen heute oft nur vor dem Fernseher oder Computer. Mittlerweile ist jedes fünfte Kind und jeder dritte Jugendliche zu dick», klagte Müller. Er erinnerte daran, dass in Finnland, das in der vieldiskutierten PISA-Studie vorne platziert war, Schüler jeden Tag Schulsport haben: «Diese Bewegung, oft an der frischen Luft, sorgt für den nötigen Sauerstoff. Die Schüler können sich besser und länger im Untezricht konzentrieren und sind weniger anfällig für Ermüdung.» Um diesen Effekt auch in Deutschland zu erzielen, setzt der ehemalige Eishockeyprofi der Düsseldorfer EG auf ein ausgefeiltes Trainungsprogramm. Hierbei wechseln sich die Schüler innerhalb von zwölf Minuten an einem Mini-Trampolin, einem Fahrzad-Ergometer und einem so genannten Bodyspider ab, so dass ganz gezielt Ausdauer und einzelne Muskelgruppen trainiert werden: «Ein komplettes Fitness-Studio für die Turnhalle. Die Verletzungsgefahr ist so gering, dass auch die Kleinen mitmachen können. Zudem kann die komplette Anlage innerhalb von wenigen Minuten auf- und abgebaut werden», erläuterte Müller. Die Kosten für die Anschaffung einer kompletten Anlage bezifferte Müller auf rund 15 000 Euro. Angesichts leerer öffentlicher Kassen hofft der frühere Leistungsportler auf die Unterstützung durch Elternpflegschaften oder Fördervereine. Er sieht allerdings auch die Ernährungsindustrie in der Pflicht. Zusätzlich bietet die Schule für alle Altersstufen an Samstagen Sportförderunterricht an. Ergänzt wird das Sportkonzept durch Angebote für eine gesündere Ernährung und zur Suchtvorbeugung, in die auch die Eltern und die Lehrer der anderen Fächer eingebunden werden. Der Handlungsbedarf sei groß, sagte Müller: «So gibt es in manchen Oberstufen bis zu 70 Prozent Kettenrauchern.» Dazu komme, dass nach aktuellen Umfragen jeder zweite Unterstufenschüler ohne Frühstück in den Unterricht komme. «Das sind die Kandidaten, die noch vor der ersten Stunde zum 'Büdchen' laufen», kritisierte Müller. Er sieht realistische Chancen für ein langfristiges Umdenken: «Wenn es uns nur gelingt, fünf körperlich schwache Schüler pro Klasse fit zu bekommen, könnte man - hochgerechnet auf zehn Jahre für alle weiterführenden Schulen Deutschlands - 33 Milliarden Euro Gesundheitskosten für Artzbehandlungen und Medikamente sparen», rechnete Müller vor. Er sieht zudem einen weiteren volkswirtschaftlichen Nutzen: «Wenn wir heute einen Abiturienten in das Erwerbsleben entlassen, ist dieser aufgrund seiner fehlenden Fitness möglicherweise gar nicht im Stande, die Leistung zu erbringen, die sein Arbeitgeber von ihm erwartet.» Fittere Mitarbeiter seien auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland wichtig.

Nachrichtenagentur ddp, 29.02.2004, ebenso auf http://de.news.yahoo.com/040229/336/3wnis.html