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Schurken und spleenige Irre


Foto: Bauer

von DENIZ KARIUS
OBERKASSEL. Die Theatergruppe des Comenius-Gymnasiums führte das Stück "Die Irre von Chaillot" auf. Doch diesmal nicht im Comenius, sondern in der Aula des Cecilien-Gymnasiums, weil die eigene Aula renoviert wird. Unter dem Motto: "Öl und Geld regiert die Welt" befassten sich die Schüler mit aktuellen Themen.
In Chaillot ist der Teufel los. Nicht der Teufel an sich, sondern das Böse in Gestalt von vier kriminellen Spekulanten, die vor nichts, auch nicht vor Mord, zurückschrecken. Ihr Vorhaben, eine unter Paris vermutete Ölquelle zu erschließen, könnte für die Bewohner des Quartiers übel enden, wären da nicht Gräfin Aurelie, von ihren Freunden, zärtlich die "Irre von Chaillot" genannt und ihre drei verrückten Freundinnen.
Das bitterböse, gleichnamige Stück von Jean Giraudoux, der seine Uraufführung 1945 nicht mehr erlebte, hatten sich die Schüler vom Literaturkursus "Theater am Comenius" als zweites in diesem Schuljahr vorgenommen und mit witzigen Ideen in Szene gesetzt. Mit den beiden Aufführungen vergangene Woche allerdings mussten die Zwölftklässler ins benachbarte Cecilien-Gymnasium ausweichen, da die Aula der Schule an der Hansaallee zurzeit renoviert wird. "Deshalb wollten die Schüler es zuerst gar nicht aufführen, aber dann war die Lust, vor Publikum zu spielen doch größer als die Bedenken", sagt Kursus- und Spielleiterin Constanze Lueb.
Und diese Lust merkte man den Darstellern auch an. Zwar holperte es mit der Textsicherheit an einigen Stellen - Souffleuse und Regieassistentin Stefanie Ziem half prompt - aber die jungen Erwachsenen ließen sich durch kleine Hänger nicht aus der Fassung bringen. In Neben- und Hauptrollen brachten sie die Typen, die sie verkörperten, treffend und gut gesprochen auf die Bühne.
Etwa Ulrike Müller, die im orangefarbenen Kleid die spleenige Weltretterin Aurelie spielte oder Ümit Civan, Wolfgang Lenz, Sebastian Schmidt und Moritz Krautscheid, als Schurken allesamt überzeugend glatt und böse. Robert Hofmann hatte direkt ein Mehrfaches zu bewältigen. Er kam als Rentner, als auf dem Trockenen Ertrunkener und als Lumpensammler auf die Bühne und wechselte beim Umzug vom Armen zum Verteidiger der Bonzen nicht nur die Kleidung, sondern gekonnt auch den Charakter.
Viele witzige Details, aktuelle Bezüge zur jüngeren Vergangenheit, etwa zu "Deutschland sucht den Superstar" oder zur eigenen Schule machten darüber hinaus die Inszenierung sehr charmant. Hierzu trug besonders auch Sezer Bag bei. Der hatte in der Rolle des Taubstummen naturgemäß wenig Text, war aber in Gestik, Mimik und Körpersprache umso beredter. Herzlichen Applaus - auch für das Geburtstagskind Bag - gab's von rund 150 Zuschauern am Ende eines vergnüglichen Dienstagabends.

RP, 29.07.2003