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I. Einleitung I.1. Das Comenius-Gymnasium – seine Entstehung und Entwicklung bis heute Das Comenius-Gymnasium wurde im Jahr 1908 von der damals noch selbstständigen Gemeinde Heerdt als „Höhere Knabenschule in Oberkassel“ gegründet. Erst seit 1951 trägt es offiziell seinen heutigen Namen, der sich aber schon längst eingebürgert hatte, weil das 1912 errichtete Schulgebäude am Comenius-Platz lag. Johann Amos Comenius (eigentlich Jan Komensky, 1592-1670) war ein tschechischer Prediger, Wissenschaftler und bedeutender Pädagoge, nach dessen Überzeugung die Erziehung "allen alles allseitig" („Omnes omnia omnino“) vermitteln müsse – ein Motto, dem wir uns auch heute noch verpflichtet fühlen können. Die Schule erlebte als humanistisches Gymnasium mit einem Realschulzweig unter Dr. Mosler, der sie über 40 Jahre als „Zeus“ regierte, einen raschen Aufschwung und nahm am allgemeinen Schicksal Oberkassels teil: Eingemeindung nach Düsseldorf, die Kriegsjahre 1914-18, Revolution, Besatzung durch belgische und französische Truppen, Inflation, bescheidener Wohlstand der „Goldenen Zwanziger Jahre“ sowie die nachfolgende Massenarbeitslosigkeit prägten die Jahre bis zur Machtübernahme durch die Nazis. In der folgenden Zeit vollzog sich die "Gleichschaltung". Die Schüler wurden zum Eintritt in das Jungvolk und die HJ gedrängt, Rassenkunde und Vererbungslehre wurden in den Lehrplan aufgenommen, auch die übrigen Fächer wurden auf die Förderung der NS-Ideologie und die Kriegsvorbereitung ausgerichtet. Dennoch scheint das Comenius-Gymnasium keine nationalsozialistische Musterschule gewesen zu sein. Nur wenige Lehrer waren Parteimitglieder und das konservativ-bürgerliche Umfeld und die Kirchengemeinden behielten ihr prägendes Gewicht, wie glaubhafte Zeitzeugen – darunter auch ein ehemaliger jüdische Schüler, der im Exil den Naziterror überlebte – berichten. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude schwer beschädigt. Der Schulbetrieb kam im November 1944 vollends zum Erliegen, weil die jüngeren Schüler evakuiert und die älteren als Luftwaffenhelfer oder gleich als Soldaten zum Kriegsdienst eingezogen wurden. Die Wiederaufnahme des Unterrichts erfolgte im Oktober 1945 unter schwierigsten Bedingungen. Es fehlte zunächst an allem: geeigneten Lehrkräften, intakten Klassenräumen, Heizmaterial, Schulbüchern, Lehrmitteln, selbst Papier und Tinte waren knapp. Die Schüler mussten im ersten Winter sogar Heizkohle mitbringen. Man war dankbar, dass es in der Schule etwas zu essen gab, die „Schulspeisung“ war in den Hungerjahren bis 1949/50 sehr willkommen. Bis 1958 fand auch das Cecilien-Gymnasium in den Räumen am Comenius-Platz Unterkunft, da das eigene Gebäude völlig zerstört worden war. Ernst Windscheid übernahm Ende 1949 die Leitung der Schule (bis 1963) und setzte die Restaurierung des humanistischen Gymnasiums mit alt- und neusprachlichem Zweig konsequent fort. Die Schülerzahl lag in diesen Jahren bei etwa 500 Jungen. Die sorgten Mitte der 60er Jahre für viel Wirbel. Die Schule machte mit einem Konflikt über Inhalte der Schülerzeitung "Cecinius" – eine Wortschöpfung aus „Cecilien“ und „Comenius“, weil Schüler und Schülerinnen beider Schulen zusammenarbeiteten - von sich reden. Viele Schüler solidarisierten sich mit der “68er“-Bewegung und verlangten Reformen in Schule und Gesellschaft; das Lehrerkollegium war in Befürworter und Gegner gespalten. Mehrere Schuldirektoren oder kommissarische Leiter scheiterten an den Herausforderungen. Erst Günter Schwarz, der für die nächsten 23 Jahre die Schulleitung übernahm, konnte den Schulfrieden wieder herstellen. Unter seiner Führung wurde das Comenius-Gymnasium ab 1970 eine moderne Schule, die sich der Erziehung zu Demokratie und Toleranz sowie sozialem Engagement verpflichtet fühlte. Die 5. Klassen begannen ab 1972 mit Englisch, gleichzeitig wurde die Koedukation von Jungen und Mädchen eingeführt und man bekam vorübergehend als zusätzliche Aufgabe ein Aufbaugymnasium sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Zweiges zugewiesen. In den nächsten Jahren stieg die Schülerzahl auf über 800. Da traf es sich gut, dass man 1972 in den Neubau Hansaallee 90 einziehen konnte, der dank moderner Fachräume, einer relativ geräumigen Turnhalle und einer großzügig angelegten Aula bessere Möglichkeiten für Unterricht und Erziehung bot als das alte Gebäude an der Feuerwache (an dem aber noch immer der alte Name prangt, so dass es bis heute zu Verwechslungen kommt). Die neuen Herausforderungen der 70er und 80er Jahre lauteten: Einführung der reformierten Oberstufe mit neuen Fächern und differenziertem Kursangebot, komplizierteren Abiturprüfungen, der Förderung vieler Realschüler als Seiteneinsteiger, Mitwirkung aller am Schulleben Beteiligten und die Umstrukturierung des Kollegiums von einem reinen „Männerclub“ in ein Gremium, in dem Lehrerinnen und Lehrer partnerschaftlich zusammenarbeiten. Um etwa 1980 ging die Schülerzahl spürbar zurück. Das traf auch andere Schulen, aber das Comenius-Gymnasium besonders, weil das in den 70er Jahren entstandene Profil manchen nicht mehr zeitgemäß erschien. Dennoch hielt die Schule am sozialen Engagement durch das Angebot einer Nachmittagsbetreuung für die 5. und 6. Klassen sowie der Integration von Kindern und Jugendlichen fremder Muttersprache aus den ehemaligen Ostblockstaaten und aus Bürgerkriegsgebieten fest. Im Oktober 1993 wurde Dr. Volkhard Heinrichs neuer Schulleiter. Zu den Neuerungen, die jetzt eingeführt wurden, gehörte der Versuch, in verschiedenen Fächern computergestützten Unterricht zu erproben, um die Kinder und Jugendlichen an neue Inhalte und Methoden heranzuführen und zu einem sinnvollen und verantwortlichen Umgang mit dem modernen Werkzeug Computer zu erziehen. Als ein weiterer Akzent im Schulprofil wurde die Verpflichtung auf ökologisches Denken und Handeln erklärt. Es gelang, das Kollegium für diese Aufgaben zu motivieren. Hinzu kam die Rückbesinnung auf verstärkte pädagogische Arbeit, so dass in den folgenden Jahren ein erneutes Ansteigen der Schülerzahl festzustellen war. Seit Beginn des Schuljahres 2001/02 ist das Comenius-Gymnasium erstmals unter weiblicher Führung. Mit Monika Matthes übernahm eine Frau die Schulleitung, die den Weg der personellen und inhaltlichen Erneuerung energisch, aber freundlich und in enger Kooperation mit Lehrer-, Eltern- und Schülerschaft fortsetzt. Die Stärkung von Partnerschaften mit Schulen in Frankreich, Australien und Spanien sowie die Erweiterung des sprachlichen, sportlichen und wirtschaftsorientierten Angebots in der Schule sind Ausdruck des Erfolgs. 2003 wurde ein neues, zeitgemäßes Konzept für den Schulsport entwickelt, das dem Comenius-Gymnasium auch eine sportliche Ausrichtung gibt und das in eine Gesamtkonzeption integriert ist, die Breitensportförderung und Gesundheitserziehung umfasst. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung war auch der Bau einer modern ausgestatteten Dreifachsporthalle auf dem Schulgelände, die im November 2006 durch Herrn Oberbürgermeister Joachim Erwin offiziell eingeweiht wurde. Der andere Schulschwerpunkt liegt auf der Wirtschaftsorientierung. So bietet das Comenius-Gymnasium als Besonderheit in den Stufen 12 und 13 einen Zertifikats-Zusatzkurs „Berufsbezogenes Englisch“ an. Das Curriculum dieses Kurses wurde in enger Zusammenarbeit mit der Fremdsprachenabteilung der Firma Henkel, mit der Bezirksregierung Düsseldorf und der Industrie- und Handelskammer entwickelt. Wir sind offizielle Pilotschule für dieses Modell und wurden Ende 2006 in einem bundesweiten Wettbewerb mit dem Europäischen Sprachensiegel für diesen Zusatzkurs ausgezeichnet. Mit Beginn des Schuljahres 2010/2011 nimmt das Comenius-Gymnasium den gebundenen Ganztagsbetrieb auf und gehört damit zu den Vorreitern unter den Düsseldorfer Gymnasien. Zurzeit besuchen 940 Schüler und Schülerinnen das Comenius-Gymnasium. Es herrscht ein angenehmes Schulklima und Schüler und Lehrer engagieren sich für ihre Schule. (Verfasser: Bernd Müller)
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